Mittwoch, 18. März 2020

Mensch und der Erdkreis

Vorneweg sei gesagt: die Kirche des Abendlandes kann sich kaum gegen Verordnungen der Regierung wehren. Schulen, Museen, Theater, Stadien, Universitäten werden  geschlossen.  Ja selbst Orte der Begegnung wie öffentliche Bäder und Saunen sind jetzt betroffen. Stellt euch vor ein Rom ohne freie Bäder, - dass ist doch nicht möglich, könnte man doch meinen, aber dem ist jetzt so.
Betriebe die wirtschaftlich handeln müsen, brauchen Hilfe, und das muss gemacht werden, das ist sicher wichtig und hilfreich.  Zweifellos sind das für die ganze Christenheit und Menschheit harte Tage. 
Bild: Paul_Fürst_Der_Doctor_Schnabel_von_Rom_
Und selbst die pästliche Regierung  des Vatikanstaates in Rom schließt die Pforten des Petersdoms und sagt die öffentlichen Feiern zu Ostern ab.

Die Causa unterstreicht jedoch einen bemerkenswerten Mentalitätswandel. Denn die Reaktion auf das Virus ist eine rein weltliche, die Statistiken, Verordnungen und Risiken abwägt.

 Und in Deutschland werden jetzt Veranstaltungen von über 100 Menschen in Frage gestellt. Was wird dann aus den Wallfahrten zu Altötting? 

Nun zur Moderne und das | Umgehen damit | was wird aus der zweiten Natur des Menschen  ..
Wenn man sagt das Impfen die Pest, die Kinderlähmung und vielleicht auch Covid19 besiegen kann wer wird das glauben 

Glaubt und umarmt ..

Mensch


Vorneweg sei gesagt: die Kirche des Abendlandes kann sich kaum gegen Verordnungen der Regierung wehren. Schulen, Museen, Theater, Stadien, Universitäten werden  geschlossen.  Ja selbst Orte der Begegnung wie öffentliche Bäder und Saunen sind jetzt betroffen. Stellt euch vor ein Rom ohne freie Bäder, - dass ist doch nicht möglich, könnte man doch meinen, aber dem ist  -  jetzt so.
Betriebe, die wirtschaftlich handeln müsen, brauchen Hilfe, auch das muss gemacht werden, das ist sicher wichtig und hilfreich.  Zweifellos sind das für die ganze Christenheit und Menschheit harte Tage. 
L.Bild: Paul_Fürst_Der_Doctor_Schnabel_von_Rom_
Pestprozession in Rom mit Papst Gregor I. im Jahr 590
Und selbst die pästliche Regierung,  des Vatikanstaates in Rom schließt die Pforten des Petersdoms und sagt, die öffentlichen Feiern zu Ostern ab. Immerhin der Papst betet vor dem Pestkreuz. Für ein Ende der Corona-Pandemie

Die Causa unterstreicht jedoch einen bemerkenswerten Mentalitätswandel. Denn die Reaktion auf das Virus ist eine  | oft | rein weltliche, die Statistiken, Verordnungen und Risiken abwägt.

 Und in Deutschland werden jetzt Veranstaltungen von über 100 Menschen in Frage gestellt. Was wird dann aus den Wallfahrten zu Altötting?
Was bleibt, private Clubs, Familie und der einzelne | Mensch | ?
Die spirituelle Dimension hat bisher, so | kein Kleriker, kaum ein Laie und Mensch erfasst und angefasst. Die Kirche des Mittelalters und der Frühen Neuzeit hätte bestimmt anders gehandelt: Die hätte die Krise umarmt, statt sie zu meiden. Anderseits wird den - Menschen da und dort begegnet, so das man meint, darum zu wissen - was es ist,  den Menschen und die Krise in seiner Ganzheit zu erfassen und anzufassen. Das heißt man kann den Menschen auch in der Distanz umarmen, - und wenn es nötig ist auch näher kommen. 

 Fürchtet euch nicht - die Liebe ist größer, wie jede Angst und der Tod.

am vierten Fastensonntag feiert die Christenheit

Laetare

das heißt; der österliche Sieg über jeden Tod wird schon sichtbar. 

Sonntag, 15. März 2020

... was ihr nicht kennt ... aus den Johannesevangelium ... wo ist der Mensch

Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
Joh 4, 5-42 
Die Vorabendmesse zum dritten Fasten - Sonntag  war am Samstag, 14. März um 19 Uhr in der Kirche von Neuzirkendorf zuvor wurde
um 18:30 der Rosenkranz gebetet.
Zum Johannesevangelium wird auch der Johannes - Weihrauch verwendet 

Aus dem Johannesevangelium Joh 4,5-42

In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samárien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samárien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samaríterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samaríterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samarítern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.
Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, doch keiner sagte: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr?
Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Christus? Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte! Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt; andere haben sich abgemüht und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
Aus jener Stadt kamen viele Samaríter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als die Samaríter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.
(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

Das Johannesevangelium unterscheidet sich inhaltlich und theologisch deutlich von den ersten drei, den so genannten synoptischen Evangelien. Als Verfasser gilt traditionell der Apostel Johannes, der mit dem "Jünger, den Jesus liebte", gleichgesetzt wird. Zu den Besonderheiten des Johannesevangeliums gehören der Prolog, das Glaubenslied vom fleischgewordenen Wort Gottes, die sieben "Zeichen" (Wunder) Jesu, die Fußwaschung und die Abschiedsreden mit dem Hohepriesterlichen Gebet. Im Zentrum des Johannesevangeliums steht die Einheit Jesu mit Gott, seinem Vater.

Wo ist der Mensch; der glaubt, liebt und hofft, glaubt mir, es gibt soviele davon.

Information über die Umsetzung der Richtlinien des Erzbistums Bamberg zur Covid-19-Prävention Link1

Mittwoch, 11. März 2020

Zweiter Fastensonntag | Fürbitten für die Flüchtlinge

Fastensonntag - Kirche Neuzirkendorf; die Lektorin trug die Fürbitte vor.Anm. "Und Bitten wir für die Flüchtlinge, (Frauen und Kinder) dass der Herr der Gnade, Liebe und Barmherzigkeit ihnen beistehen möge und das sie auf Menschen treffen, die mit ihnen diese große Liebe teilen."

Sonntag, 8. März 2020

Rom-Vatikan, Italien, Bayern und jetzt auch Deutschland.

Paul_Fürst_Der_Doctor_Schnabel_von_Rom_
Wenn in Italien Streiks verlegt werden, dann muss es ernst sein. Seit dem Wochenende hat der Ausbruch des Coronavirus den Norden des Landes im Griff. Das hat nicht zuletzt für den religiösen Alltag des katholischen Landes Konsequenzen. Das Erzbistum Mailand hat alle religiösen Dienste ausgesetzt. Dasselbe gilt für das Patriarchat Venedig. Das bedeutet: keine Messen, keine Taufen, keine Firmungen. Die Kirchen sind für die einzelnen Gläubigen offen, mancherorts sollen die Leute nur gestaffelt eintreten. Aschermittwochsmessen wurden über Youtube übertragen. Francesco Moraglia, der Patriarch von Venedig, appellierte an die Verantwortung der einzelnen Bürger und bat darum, nicht in Panik zu verfallen.




Vorneweg sei gesagt: die Kirche in Italien kann sich kaum gegen Verordnungen der Regionalregierung wehren. Schulen, Museen, Theater und Universitäten wurden geschlossen. Die Causa unterstreicht jedoch einen bemerkenswerten Mentalitätswandel. Denn die Reaktion auf das Virus ist eine rein weltliche, die Statistiken, Verordnungen und Risiken abwägt.

 Und in Deutschland werden jetzt Veranstaltungen von über 1000 Menschen in Frage gestellt. Was wird dann aus den Wallfahrten zu Altötting


Die spirituelle Dimension hat bisher kein Kleriker und kaum ein Laie und Mensch erfasst und angefasst. Die Kirche des Mittelalters und der Frühen Neuzeit hätte anders gehandelt: Die hätte die Krise umarmt, statt sie zu meiden. Anderseits wird den - Menschen da und dort begegnet, so das man meint, darum zu wissen - was es ist,  den Menschen und die Krise in seiner Ganzheit zu erfassen und anzufassen.

Fürchtet euch nicht - die Liebe ist größer wie jede Angst und der Tod.

In zwei Wochen feiert  die Christenheit 

Laetare

das heißt der österliche Sieg über jeden Tod wird schon sichtbar. 


Freitag, 6. März 2020

In Erinnerung an Pater Benninghaus

Schild der August-Benninghaus-Schule in Ankum
Pater August Benninghaus
Am 11. März 1942 wurde Pater Benninghaus in das KZ Dachau verlegt, wo damals die katholischen Priester in einem sogenannten Pfarrerblock zusammengezogen wurden. Pater August Benninghaus SJ (* 7. November 1880 in Druchhorn; † 20. Juli 1942 im KZ Dachau) war ein deutscher Jesuit und Märtyrer.


Am 26. April 1900 trat er in das Noviziat der Jesuiten in  Blijenbeek/Niederlande ein und empfing am 24. August 1913 durch den Kölner Erzbischof und späteren Kardinal Felix von Hartmann das Sakrament der Priesterweihe. 1914 wurde er von seinem Oberen nach England gesandt. Beim Austausch von Kriegsgefangenen kam er 1916 nach Deutschland zurück. Hier stellte er sich freiwillig dem Heeresdienst und wurde als Divisionspfarrer an die mazedonische Front geschickt. Dort erhielt die Division Besuch von Erzbischof von Faulhaber, dem späteren Kardinal.[1] Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde er mit der Betreuung der Jugendverbände und mit der Seelsorge an einem Krankenhaus in Köln-Deutz beauftragt. Im Jahre 1924 übertrug ihm der Orden das Amt eines Exerzitienmeisters. Als solcher wirkte er in Niederkassel am Rhein, Opladen, Münster und im Kloster Bethlehem bei Bergheim/Erft. Danach war er zwei Jahre als Volksmissionar in Hannover tätig. 1928 wurde er in Münster Diözesanpräses der Männergemeinschaften. Ab 1929 war er mit dem Pfarrer der Stadtkirche St. Lamberti Clemens August Graf von Galen bekannt. Bis 1941 wirkte er als Exerzitienmeister und Volksmissionar im Kettelerheim in Münster.
Stolperstein für Pater August Benninghaus in der Königsstr. 35 in Münster
1938 wurde wegen abfälliger Bemerkungen über den Nationalsozialismus ein Strafverfahren (wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz) gegen Pater Benninghaus eingeleitet. Er hatte geäußert, dass die Kirche schon viele Reiche überdauert habe. Das beim Sondergericht in Dortmund angestrengte Verfahren endete mangels Beweisen am 25. Oktober 1939. Am 27. Juni 1941 wurde er abermals von der Geheimen Staatspolizei in Münster verhaftet. Er soll bei einem Exerzitienkurs für Einberufene (Militärdienst) im Katharinenstift in Ascheberg angeblich staatsfeindliche Äußerungen von sich gegeben haben. Er wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt. Dort wurde er von zwei SS-Männern derart misshandelt, dass er stürzte und auf eine Tischkante aufschlug. Dabei erlitt er eine Gehirnerschütterung, von deren Folgen er sich bis zu seinem Tode nicht erholte.
Am 11. 3. 1942 wurde Pater Benninghaus in das KZ Dachau verlegt, wo damals die katholischen Priester in einem sogenannten Pfarrerblock zusammengezogen wurden. Pater Benninghaus kam in den Block 24, Stube 1. Dieser war im Mangeljahr 1942 zusätzlicher Invalidenblock. Das bedeutet, dass Pater August zur Vergasung in Schloss Hartheim bei Linz vorgesehen war. Infolge Hungers und Schwäche verschlechterte sich sein körperlicher und geistiger Zustand immer mehr, bis er schließlich in das Krankenrevier eingeliefert wurde. Am 20. Juli 1942 verhungerte er. Am 31. August 1942 wurde eine Urne mit Asche zum Pfarramt nach Ankum geschickt. Sie wurde auf dem Ankumer Friedhof beigesetzt. Auf dem Grabmal stehen die Worte „Märtyrertod Dachau“.https://de.wikipedia.org/wiki/August_Benninghaus

Montag, 2. März 2020

Dichter und Theologe Ernesto Cardenal gestorben

Der römische Friede mit Cardenal  | Managua:   Ob Kirche oder Partei, der nicaraguanische Theologe und Autor Ernesto Cardenal ging keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Mit seinen revolutionären Weggefährten von einst wollte er schon länger nichts mehr zu tun haben. Mit dem Vatikan hingegen machte er seinen Frieden.





Dichter und Theologe Ernesto Cardenal gestorben

Managua  Ob Kirche oder Partei, der nicaraguanische Theologe und Autor Ernesto Cardenal ging keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Mit seinen revolutionären Weggefährten von einst wollte er schon länger nichts mehr zu tun haben. Mit dem Vatikan hingegen machte er seinen Frieden.





Er war das intellektuelle Aushängeschild der sandinistischen Revolution in Nicaragua. Als idealistischer Dichter träumte er vom Himmelreich in sozialistischen Kommunen, als Kulturminister seiner mittelamerikanischen Heimat trieb er die Alphabetisierung der armen Landbevölkerung voran. Zuletzt war er ein erbitterter Gegner seiner einstigen Genossen. Jetzt ist Ernesto Cardenal im Alter von 95 Jahren gestorben.
"Stärker als der Glaube treibt mich die Hoffnung an und noch stärker als die Hoffnung die Liebe", sagte der Theologe und Schriftsteller einmal im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Cardenal sei ein wortgewaltiger Mahner, der sein dichterisches Werk gegen die Hoffnungslosigkeit stelle und die Liebe als einziges Element der Veränderung kenne, begründete die Jury des Friedenspreises des deutschen Buchhandels einst die Auszeichnung des Nicaraguaners (1980).
"Mit dem Tod von Ernesto Cardenal verlieren wir einen bedeutenden Fürsprecher und Anwalt der Armen. Mit ihm ist eine einflussreiche Stimme für Frieden und Gerechtigkeit in Lateinamerika verstummt", sagte der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz.
Cardenal stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Granada. Er studierte Philosophie und Literatur in Mexiko-Stadt sowie New York, später Theologie in Mexiko und Kolumbien. Zwei Jahre verbrachte er in einem Trappistenkloster in den USA, bevor er 1965 zum Priester geweiht wurde.
Auf der Insel Mancarrón im Solentiname-Archipel im Nicaraguasee gründete Cardenal eine Bauernkommune nach urchristlichem Vorbild. Er verstand die Gemeinschaft als Versuch, das Reich Gottes im irdischen Kommunismus zu verwirklichen. Dort entstand auch sein bekanntestes Werk, "Das Evangelium der Bauern von Solentiname". Auf der Insel soll er nun auch seine letzte Ruhe finden.
Als scharfer Kritiker der Diktatur von Anastasio Somoza musste Cardenal ins Exil nach Costa Rica fliehen und schloss sich dort der Guerillaorganisation FSLN an. Nach dem Sieg der Sandinisten 1979 kehrte er in seine Heimat zurück und startete als Kulturminister der neuen Regierung eine große Bildungskampagne unter den verarmten Bauern.
Beim Papstbesuch 1983 in Managua kam es zum Eklat zwischen dem linken Befreiungstheologen und dem Vatikan. Weil sandinistische Parteihänger Johannes Paul II. ausbuhten, maßregelte das Kirchenoberhaupt Cardenal in aller Öffentlichkeit. Zwei Jahre später wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit vom Priesteramt suspendiert.
Nach dem Ende der ersten sandinistischen Regierungszeit brach Cardenal auch mit seinen einstigen revolutionären Weggefährten. Der autoritäre Führungsstil von Sandinistenchef Daniel Ortega und die unverhohlene Raffgier der linken Nomenklatur ließen ihn an seiner Partei verzweifeln.
Gemeinsam mit seinem Freund, dem österreichischen Schauspieler Dietmar Schönherr, gründete er die Kulturstiftung "Casa de los tres mundos" in Granada. Er widmete sich nun wieder mehr dem Schreiben und veröffentlichte den Gedichtzyklus "Gesänge des Universums". Seine Lesereisen führten ihn auch immer wieder nach Deutschland, häufig gemeinsam mit der Band Grupo Sal. Seine Markenzeichen: Schwarze Baskenmütze, weißes Bauernhemd, Ledersandalen.
Gerade für die europäische Linke war Cardenal eine Ikone der sandinistischen Revolution, doch mit seinen früheren Genossen wollte er nichts mehr zu tun haben. "Es ist nichts geblieben von der Revolution", klagte Cardenal. Seit Ortega 2007 an die Macht zurückgekehrt sei, habe er sich das Land zur Beute gemacht, sagte Cardenal. "Es ist eine Diktatur von Daniel Ortega, seiner Frau und seinen Kindern, die sich schamlos bereichern."
Ortega, der im Januar 2017 seine vierte Amtszeit antrat und seine ganze Familie mit wichtigen Posten versorgte, war zuletzt der Lieblingsfeind des streitbaren Schriftstellers. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes bezog er während der monatelangen Proteste gegen die Regierung mit mittlerweile Hunderten Toten klar Position.
"Die Unterdrückung, die wir erleben, bereitet mir großes Leid. Es gibt Massaker und Verhaftungen, Entführungen und Folter", sagte er zuletzt. "Wir wollen eine andere Regierung, eine demokratische Republik." Trotz seiner scharfen Kritik an Ortega ordnete die Regierung eine dreitägige Staatstrauer an.
Gegenüber der katholischen Kirche hingegen zeigte sich Cardenal zuletzt milde. Vor allem das bescheidene Auftreten von Papst Franziskus gefiel ihm. "Das ist eine große Veränderung im Vatikan, die niemand vorhersehen konnte", sagte Cardenal. Franziskus versuche, die Welt zu einem besseren Ort für die Armen und Vergessenen zu machen. Zuletzt rehabilitierte das katholische Kirchenoberhaupt den einst verfemten linken Priester. Anfang Februar 2019 hob Franziskus die Sanktionen gegen ihn auf.
"Es ist sehr traurig, seine Klarheit und Poesie zu verlieren, die er bis zum Ende gelebt hat", schrieb die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli auf Twitter. "Aber anstatt zu weinen, sollten wir sein konsequentes und kreatives Leben feiern." Der Autor und frühere Vizepräsident Sergio Ramírez schrieb: "Ich habe meinen großen Bruder, engen Freund und langjährigen Nachbarn verloren. Er war ein moralischer Anführer und ein literarisches Vorbild."
Schriftsteller, Priester, Politiker - für Cardenal war das nie ein Widerspruch. "Ich versuche, nach der Botschaft des Evangeliums zu leben", sagte er einmal. "Es ist eine politische Botschaft: Die Welt verändern und verbessern nach 100 000 Jahren der Ungleichheit." / https://www.braunschweiger-zeitung.de/kultur/article228589327/Dichter-und-Theologe-Ernesto-Cardenal-gestorben.html